«Unsere Mitgliederzahl wächst stetig», freut sich Nicolas Bandle. Der SVP-Parteipräsident spricht über seine Mitgliedschaft in der Rechnungsprüfungskommission, auf wen er zählen kann und warum er immer um 6.30 Uhr aus dem Haus muss.
Lorenz Steinmann
Er könnte als Architekt durchgehen oder als Creative Director einer Werbeagentur. Nicolas Bandle, der zum Gesprächstermin im «World of Bonnie» an der Dorfstrasse in schwarzem Anzug und schwarzem Rollkragenpulli erscheint. Tatsächlich leitet der 39-Jährige die Geschäftsentwicklung für die Schweiz des Konzerns Orange Business. Er ist dadurch viel unterwegs und akquiriert mit seinem Team IT-Lösungen für Firmen. Dank seiner perfekten Zweisprachigkeit – Nicolas Bandle ist in der Westschweiz aufgewachsen und hat Wurzeln in Zürich und in Genf – hat er keinen Bammel, wenn er öfters an den Konzernhauptsitz nach Paris reisen muss.
Bandles Werdegang ist speziell und spannend. Nach der Matura und dem Diplom der renommierten Hotelfachschule in Lausanne war er für den Lebensmittelkonzern Nestlé («Nespresso») tätig. Nun arbeitet er seit einigen Jahren für Orange. Das ist jene Firma, die man lange auch als Handy-Anbieterin kannte. «Ja, bis vor gut zehn Jahren waren wir in der Schweiz auch in dieser Sparte aktiv», erzählt Bandle. Doch das Mutterhaus habe damals die Vorgabe gestellt, dass man nur in jenen Märkten präsent sein solle, wo man die Nummer 1 oder 2 sei. Die eidgenössische Wettbewerbskommission (Weko) untersagte 2010 den Zusammenschluss von Orange mit Sunrise, woraufhin Orange entschied, das Kundengeschäft nicht weiterzuführen und die Sparte zu verkaufen. Und so fokussiert sich Orange in der Schweiz auf IT-Lösungen für Geschäftskunden, mit mehreren 100 Mitarbeitenden und dem Schweizer Hauptsitz an der Beethovenstrasse in der Enge. «Besonders wichtig ist mir das Thema Datenhoheit und Sicherheit: Wir sollten sicherstellen, dass unsere sensiblen Informationen auch in Europa gespeichert und geschützt werden», betont Bandle.
Wie Bandle Zürich einschätzt
Er nimmt Zürich also als klassischer Pendler wahr. Wie ist sein Eindruck? «Meine Frau und ich wohnen in Itschnach, und unser Arbeitsweg beginnt früh: Ich fahre sie um 6.30 Uhr zum Bahnhof Tiefenbrunnen, wo Violeta mit dem Zug nach Landquart pendelt, während ich weiter in die Stadt fahre.» Leider erlebe er dabei die «täglichen negativen Querelen der links-grünen ideologischen Verkehrspolitik» immer wieder aufs Neue. «Beim kürzlich vorgepreschten linken Vorstoss, Zürcher Parkhäuser in Wohnungen umzunutzen, kann ich nur den Kopf schütteln.» Eine gut funktionierende Infrastruktur und pragmatische Verkehrslösungen für alle und nicht nur wenige Verkehrsteilnehmer sei entscheidend. «Dafür setze ich mich auch politisch ein», betont Bandle. Apropos Verkehr: «Ob der Erhalt der SBB-Direktverbindung zum Flughafen, die Verbesserung der Verkehrsanbindung oder unser Engagement gegen Windturbinen auf dem Küsnachter Berg – wir setzen uns mit Herzblut für Küsnacht ein», erklärt Bandle. Dabei politisieren er und seine Parteikollegen der SVP in Küsnacht nicht unbedingt aus einer Position der Stärke heraus. Denn vor vier Jahren, als der Küsnachter Gemeinderat von 9 auf 7 Mitglieder reduziert wurde, verlor die SVP eine Sitz und ist jetzt lediglich noch mit Adrian von Burg in der Exekutive vertreten.
Spannende Aufgabe in der RPK
Wie sieht Bandle jene Rolle? «Er macht es sehr gut – aber wir sind untervertreten! Adrian bringt als Immobilienfachmann wertvolles Know-how ins Ressort Liegenschaften ein. Doch die SVP braucht mehr Gewicht im Gemeinderat», auch wenn man durchaus gerne mit den anderen Parteien zusammenarbeite. Das Ziel sei, einen zweiten Sitz zurückzuholen. «Eine Findungskommission sucht bereits nach geeigneten Kandidaten», sagt Bandle. Ob er selber antreten will, lässt er noch offen. «Eine Schwierigkeit ist sicher mein 100-Prozent-Job mit einiger Reiserei.»
Aber wie gehen denn die Ämter als Parteipräsident und vom Volk gewähltes Mitglied der Rechnungsprüfungskommission (RPK) zeitlich auf? Ist nicht gerade das Parteipräsidium ein undankbarer Job, der vor allem viel Arbeit gibt? «Ganz im Gegenteil! Es ist eine ehrenvolle und bereichernde Aufgabe, die ich mit viel Engagement ausübe», findet Bandle. Seit fast drei Jahren dürfe er die grösste politische Partei in Küsnacht vertreten, «eine Verantwortung, die mich mit Stolz erfüllt». Zeitlich funktioniere das, weil er ein starkes Team an seiner Seite habe. «Ich bin unglaublich dankbar für den engagierten Vorstand und die vielen freiwilligen Helfer.»
Und ja, die Aufgabe in der RPK in Küsnacht sei eine äusserst spannende Aufgabe. Das Pensum – zusammen mit dem SVP-Präsidium macht es etwa 20 Stellenprozente aus – ermögliche einen tiefen Einblick in die finanziellen und strategischen Geschäfte der Gemeinde. «Im Vergleich zu anderen Gemeinden sind wir ein besonders aktives Organ, das nicht nur prüft, sondern auch Impulse setzt», betont Bandle.
Wie ist denn sein aktuelles Fazit der Gemeindeverwaltung und der Politik? «Grundsätzlich macht unsere Gemeinde einen guten Job – dennoch merkt man, dass wir durch hohe Steuereinnahmen finanziell verwöhnt sind. Unsere Aufgabe in der RPK ist es, mögliche Exzesse frühzeitig zu hinterfragen, Transparenz zu schaffen und eine verantwortungsvolle Finanzpolitik sicherzustellen».
Dazu schlägt er den Bogen zur Stadt Zürich und auch zu Genf. Dazu, dass die SVP dort je länger, je mehr Schwierigkeiten hat, zu reüssieren. «Sobald man beginnt, Geld zu verdienen, ändern sich oft die politischen Ansichten. Städte ziehen eine jüngere, vielfältige Bevölkerung an, die stärker auf linke Themen wie Umweltschutz oder Mieterschutz setzt.» Leider zeige sich, wohin das führe: «In Genf zahlten 2022 ganze 36 Prozent aller Steuerpflichtigen keine Steuern – alle anderen aber viel mehr als der Schweizer Durchschnitt, so bildet Genf mit einem Grenzsteuersatz von 45 Prozent das Schlusslicht im Ranking der Kantonshauptorte, kein Wunder, dass viele Leistungsträger abwandern», lautet Bandles Fazit.
Reiseziel Bundeshaus in Bern
Dass in Küsnacht die SVP im Gegenteil wachsen will, dazu soll auch der Mitgliederausflug nach Bern mit Küsnachts Nationalrätin Nina Fehr Düsel beitragen. Und dann natürlich die kantonale SVP-Delegiertenversammlung, die in Küsnacht stattfinden wird. «Wir erwarten bis zu 300 Gäste. Solche Events wären ohne unsere grossartige Parteigemeinschaft nicht möglich», ist sich Bandle sicher. Ob die beiden prominentesten Küsnachter Parteimitglieder Rolf Dörig und Walter Frey auch dabei sein werden, weiss Bandle nicht. Definitiv seien jene Mitglieder aber eine Bereicherung.
«Wir sind stolz darauf, dass erfolgreiche Unternehmer und Führungspersönlichkeiten wie Rolf Dörig und Walter Frey Teil unserer Partei sind. Ihre Erfahrung und ihr starkes Netzwerk helfen uns enorm dabei, Küsnacht und die SVP weiter voranzubringen.» Zudem könne man damit auf politisch erfahrene Exponenten zählen, «die uns mit wertvollen Einblicken und Strategien unterstützen. Unsere Mitgliederzahl wächst stetig – aktuell sind wir bereits 180 engagierte Mitglieder.» Als Gründe des Wachstums sieht Bandle, dass «die Menschen genug haben von der Selbstbedienungspolitik der Sozialisten und wieder eine Politik wollen, die sich für Leistung, Eigenverantwortung und gesunden Menschenverstand einsetzt». In Küsnacht konkret wünscht sich Bandle eine Aufwertung des «Hörnli» («warum nicht ein schönes Hotel?»), aber auch, dass sich die Gemeinde auf der Forch mit der geplanten Grossüberbauung und dem Instandhaltungszentrum der Forchbahn mehr für die Bedürfnisse der Bevölkerung einsetzt. «Da müsste man besser verhandeln mit der Forchbahn und mit dem Kanton», fordert Bandle.
Als es das «Chez Crettol» noch gab
Zum Schluss noch ein bisschen Nostalgie. Denn ein wenig trauert Bandle dem 2023 geschlossenen «Chez Crettol» nach. «Dort an der Florastrasse gab es das beste Fondue der Deutschschweiz.» Und ja, der Zürichsee könne schon nicht ganz mithalten mit der Schönheit des Genfersees und dessen Lavaux-Gegend. Nichtsdestotrotz aber sei Küsnacht ein wunderbares Dorf, «dem wir Sorge tragen müssen, das ist meine Motivation zu politisieren». So bleibt die Kirche im Dorf und Nicolas Bandle kann nach 90 Minuten Interviewzeit nach Hause aufbrechen. Denn morgen heisst es wieder früh aus den Federn.
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Nachgefragt:
«Ich interessierte mich früh für Küsnachts Erfolg»
Nicolas Bandle, wo trifft man Sie mit Vorliebe an? Hallenstadion, Tonhalle oder Kunsteisbahn Küsnacht?
Bei einem Glas Wein im Biergarten des Hotels Sonne oder auf dem Tennisplatz.
Und wie ist Ihr familiärer Hintergrund?
Ich bin seit zwei Jahren glücklich mit meiner Frau Violeta verheiratet. Geboren in der Westschweiz, mit Wurzeln in Zürich und Genf, habe ich einen Teil meiner Schulzeit in Itschnach verbracht. Schon früh habe ich mich für den Erfolg unserer Gemeinde interessiert – damals noch auf dem Eishockeyfeld beim SCK bei den Bambinis, heute in der Politik. (ls.)