Die Freizeitanlage Heslibach veranstaltet am Sonntag, 16. März, einen informativen und erlebnisreichen Tag rund um die faszinierenden, aber wenig bekannten Wildbienen.
Simon Bellmann, Co-Leiter Freizeitanlage Heslibach
Die Wildbienen-Expertin Ayaka Gütlin wird in der Freizeitanlage Heslibach zeigen, wie die Menschen mit konkreten Massnahmen bedrohten Wildbienenarten die benötigten Lebensräume zurückgeben können. Gemeinsam werden die Teilnehmenden exemplarisch Niststrukturen für erdnistende Bienen bauen. Daneben gibt es ein vielfältiges Programm, bei dem sowohl Familien wie auch Einzelpersonen profitieren können.
Ayaka Gütlin, Sie sind freischaffend in den Bereichen Entomologie (Insektenwissenschaft), Umweltpädagogik, Botanik und Agrarwissenschaften. Sind Sie eher Wissenschaftlerin oder Praktikerin?
Ich verbinde die Wissenschaft mit dem Praktischen, denn es ist wichtig, dass man Zugang zu beiden Aspekten hat. Die Wissenschaft kann die Praxis beeinflussen, aber wenn ihre Erkenntnisse in der Praxis nicht angewendet werden, können wir die Synergien nicht nutzen. Ich sehe mich als Vermittlerin zwischen den beiden.
Wie sieht Ihr beruflicher Alltag aus?
Ich flitze von einem Ort zum anderen, da ich an verschiedenen Institutionen tätig bin. Mal im Botanischen Garten der Uni Basel, mal als Workshopleiterin im Naturhistorischen Museum, dann wieder an der Birs, um mit Schulklassen die Spuren des Bibers zu entdecken, oder in meinem Atelier, um Anfragen zu beantworten. Demnächst führt mich meine Arbeit sogar nach Küsnacht in die Freizeitanlage.
Wie haben Sie zu Ihrer Passion gefunden?
Als Teenie war ich die Erste, die auf dem Tisch stand, wenn irgendwo eine Spinne oder eine Schabe gesichtet wurde. Ein Schlüssel war für mich zu realisieren, was für eine riesige Vielfalt die Insekten im Vergleich zu den Säugetieren haben und von welch wichtigen ökologischen Dienstleistungen wir von ihnen profitieren.
Gibt es ein aktuelles Herzensprojekt?
Ja, das «Beefinder»-Update. Der «Beefinder» ist eine Website, die Pflanzen vorschlägt, mit denen man die Wildbienen in der Umgebung gezielt unterstützen kann.
Wie gelingt eine positive, lustvolle Umweltbildung?
Es braucht viel Geduld, jemanden, der fasziniert ist vom Thema, und ein bisschen Anleitung, um die wundervollen Interaktionen der Umwelt erkennen zu können. Eine spielerische Auseinandersetzung mit dem Thema, aber auch überraschende, wichtige Verbindungen zum Alltag sind oftmals ein guter Einstieg.
Kann man wirklich erwarten, als Einzelperson einen relevanten Beitrag zur Biodiversität zu leisten?
Nein. Es braucht auch die politische Ebene, eine verantwortungsbewusste Industrie und die Forschung. Als Einzelperson kann man vielleicht auf der Arbeit anregen, dass das Betriebsgelände bienenfreundlich gestaltet wird, oder man hat einen Garten, den man umgestalten kann. Es sind nicht immer die aufwendigsten Ideen die richtigen Lösungen. Wichtiger ist, dass gezielte Massnahmen getroffen werden. Es lohnt sich, eine gute Beratung beizuziehen, um das Potenzial eines Standortes zu erkennen. Die IG Wilde Biene berät gerne. Eine gute Gelegenheit, erste Informationen zu bekommen, ist der Wildbienentag am 16. März.
Was können wir Menschen von den Wildbienen lernen?
Bienen haben viele verschiedene Überlebensstrategien und Fähigkeiten, von denen wir noch längst nicht alles wissen. Jedes Individuum ist wichtig für das Ökosystem. Wenn man das einmal verstanden hat, sieht man die Welt mit anderen Augen.
Wie sieht Ihre Vision der Zukunft aus?
Als Realistin und Wissenschaftlerin wünsche ich mir eine Gesellschaft, die Raum lässt für die Vielfalt der Lebewesen und sich selbst als Teil des Ökosystems wahrnimmt.
Welche Insektenbegegnung hat Sie beeindruckt?
Letztens habe ich an einem Kurs eine handgrosse Heuschrecke (Arachnacris corporalis) gehalten. Es ist eindrucksvoll, so ein grosses lebendes Insekt auf dem Arm zu haben. Neue, überraschende Erkenntnisse stossen meine Neugier immer wieder an. Kürzlich habe ich gelesen, dass Hummeln spielen. Faszinierend!
Ayaka Gütlin ist nicht die Einzige, die von dem wissenschaftlichen Artikel über das Spiel der Hummeln angeregt wurde. Toby M. Schreier, ein Künstler und Kursleiter mit Kursen in der Freizeitanlage, hat einen Miniprint zu dem Thema gemacht. Toby Schreier wird unseren Workshop bereichern, in dem die Besuchenden auf seiner Minidruckerpresse Samentüten für wildbienenfreundliche Pflanzensamen bedrucken können.
Ich freue mich auf einen spannenden Tag mit Ihnen, mit Toby Schreier und dem Team der Freizeitanlage Heslibach.
Sonntag, 16. März, 11 bis 16 Uhr. Leitung: Jeannine Stricker, Simon Bellmann, Ayaka Gütlin, Toby M. Schreier. Teilnahme: Einzelperson ab 50 Franken, Familienpreis ab 80 Franken. Anmeldung/Infos: heslibach@frezi.ch