Die Vielfalt des Tobels entdecken

Erstellt von Majken Grimm |
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Der Natur- und Vogelschutzverein Küsnacht setzt sich aktiv für die Artenvielfalt ein. Diese Zeitung hat zusammenmit drei Vorstandsmitgliedern das Küsnachter Tobel erkundet und dabei viel Spannendes gelernt.

 

Sobald Jonas Brännhage, Dieter Wieser und Martin Lehmann das Küsnachter Tobel betreten, sind sie in ihrem Element. Die Vorstandsmitglieder des Natur- und Vogelschutzvereins Küsnacht, kurz NVVK, sind mit den vielfältigen Lebensräumen der Schlucht bestens vertraut. Einst prägten regelmässige Hangrutsche diese damals viel offenere Landschaft. Nach zwei verheerenden Hochwassern in den Jahren 1778 und 1878 wurde der Bach jedoch mit Stufen gezähmt.

Brännhage, der beruflich mit Pilzen arbeitet und botanische Exkursionen leitet, zeigt, wo was wächst. In den offenen Hangrieden, wo aus der Böschung Grundwasser austritt, fühlen sich Moorpflanzen wie das fleischfressende Fettblatt wohl. Am Bachufer sorgt das blühende Milzkraut für gelbe Farbtupfer. Tote Baumstämme werden von Pilzen wie der Schmetterlingstramete bewohnt, welche das Holz zersetzen und weich machen. Diesen Umstand nutzen Spechte geschickt, um Nisthöhlen zu hämmern. Bach­aufwärts wächst ein im Mittelland seltenes Eiszeitrelikt, der Bewimperte Steinbrech, welcher bis in den hohen Norden Grönlands vorkommt.

Mandarinente aus Asien im Tobel

Ein besonderer Lebensraum ist der Alexanderstein, ein Findling, der von einem Eiszeitgletscher im Tobel zurückgelassen wurde. Er besteht aus saurem Gestein, was im Mittelland selten ist. Allein auf diesem Stein kommen 48 Moosarten vor, hinzu kommen Farne und Flechten. Brännhage weist auf Verfärbungen der Oberfläche hin. An manchen Stellen ist sie orange durch eine Alge, an anderen kupferrot durch eine Flechte, welche aus der orangen Algenart und einem Pilz gemeinsam besteht.

Besonders bekannt ist die Schlucht jedoch für ein anderes Lebewesen: die Wasseramsel. Wieser und Lehmann zücken ihre Ferngläser, als ein Exemplar im Wasser nach Insektenlarven taucht. Aufmerksames Beobachten ist gefragt, um den braunschwarzen Singvogel mit dem weissen Lätzchen zu entdecken. Wahrscheinlich drei Paare brüten dieses Jahr hinter den kleinen Wasserfällen des Bachs. Noch vor 15 Jahren gab es hier eine der grössten Dichten an Wasseramseln der ganzen Schweiz, doch der Bestand ist zurückgegangen.

Ein weiterer interessanter Bewohner des Tobels ist die Mandarinente. Mit seiner auffälligen, farbenfrohen Zeichnung ist das Männchen unverwechselbar. Jedoch ist die Art nicht einheimisch, sondern aus Ostasien eingeschleppt.

Engagiert für die Natur

Für die vielfältige Natur in Küsnacht setzt sich der NVVK aktiv ein. 1939 gegründet, leiteten ihn schon prominente Personen wie der ehemalige Zoodirektor Christian Schmidt oder Rolf Holderegger, der aktuelle Direktor der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft – kurz WSL. Wie bei vielen Vereinen heutzutage ist es auch für den NVVK schwierig, genügend motivierte Leute zu finden. Engagierte Naturinteressierte sind als Neumitglieder oder im Vorstand herzlich willkommen.

An Ideen, um bedrohte Arten aktiv zu fördern, mangelt es jedoch nicht. «Es ist ein lebendiger Verein», sagt Martin Lehmann. So ist etwa ein Projekt für Wildbienen geplant, für das der Verein mit dem Verschönerungsverein und der Gemeinde Küsnacht zusammenarbeitet. Nistkästen für Schwalben, Mauersegler und den Waldkauz werden vom Verein aufgehängt und instand gehalten. Auch eine Brutplattform für Flussseeschwalben ist in Planung.

Daneben bietet der Verein auch regelmässig Exkursionen in der Region oder in den Bergen an. Die letzte führte die Teilnehmenden zum Schübelweiher, wo sie Erdkröten und Grasfrösche beobachteten. Eine der nächsten führt zum Wulp­hügel ins Küsnachter Tobel und wird von Förster Manuel Peterhans und Jonas Brännhage begleitet. Rund um die Burgruine befindet sich ein offener Föhrenwald, welcher kürzlich aufgelichtet wurde. Davon profitierten gefährdete Pflanzenarten, die die Sonne lieben, wie etwa der Trauben-Pippau, der Gefranste Enzian oder die Orchidee Purpurknabenkraut.

Wer bei der Führung dabei sein möchte, kommt am 24. Mai um 14 Uhr zum Ortsmuseum Küsnacht.