Das Kunstkollektiv Hotel Regina verwandelt öffentliche Brunnen in warme Badebecken. Von 14. März bis 1. April tourt es durch den Kanton und heizt am kommenden Dienstag den Brunnen der Kantonsschule Küsnacht.
Damjan Bardak
Wer sagt denn, dass Baden etwas für den Sommer ist? In Basel planscht man schon seit 2016 auch während der Wintermonate. Denn ein dort ansässiges Kollektiv wärmt mit einem mobilen Ofen von Ende November bis März die lokalen Brunnen. Mit Muskelkraft pumpt es das Wasser aus dem Brunnen durch den Holzofen und durch Schläuche zurück in öffentliche Brunnen, wo kurzerhand ein eigenes Thermalbad entsteht.
Nun organisiert das Kollektiv erstmals eine Tour, während der es innerhalb von zwanzig Tagen zehn Brunnen im Kanton Zürich heizt. Ausgehend von Bubikon im Zürcher Oberland, geht die «brunnen gehn»-Tour bis nach Stammheim ins Weinland.
Wie es für das Kollektiv Hotel Regina üblich ist, transportiert es sein Material mit dem Fahrrad auf Anhängern. «Das ist zum einen klimafreundlich», sagt Quirin Streuli, Mitgründer des Kollektivs. Zum anderen würden sich so die individuellen «brunnen gehn»-Anlässe zu einer Gesamtgeschichte verbinden.
Kunstkollektiv lanciert Projekt
Schon während ihres Studiums am Hyperwerk in Basel arbeiteten Quirin Streuli und seine vier Kollegen regelmässig an gemeinsamen Projekten. «Nach dem Studium wollten wir gemeinsam weiter Projekte durchführen und gründeten deshalb im Jahr 2016 das Kollektiv Hotel Regina», sagt Streuli. Die Namensgebung sei so erfolgt wie bei der Taufe eines Kindes. «Wir haben halt einen Namen gebraucht», sagt Streuli lachend. Zwar kursieren im Kollektiv mehrere Geschichten über den Hintergrund des Namens, doch würde keine der Wahrheit entsprechen.
Seit mittlerweile neun Jahren verwirklicht das Kollektiv Hotel Regina Projekte, die dazu dienen, öffentliche Räume künstlerisch zu verarbeiten. Sie würden nicht malen oder Skulpturen hauen, sondern Performance-Gestaltung betreiben, bei der Raum und Publikum Teil ihrer Kunst werden.
«brunnen gehn»-Tour durch Zürich
Aus demselben Interesse entstand «brunnen gehn», das seit 2023 ein eigener Verein aus Basel ist, der fünfzehn Mitglieder zählt. «Das Kollektiv Hotel Regina hat ‹brunnen gehn› ins Leben gerufen und später den Verein mitgegründet.»
Bald verlassen sie die Stadt Basel und führen das Projekt erstmals in grösserem Rahmen in einem anderen Kanton durch. Los geht es am 14. März. Nach jahrelanger Erfahrung freuen sich Quirin Streuli und der Rest des Kollektivs Hotel Regina, das städtische Umfeld zu verlassen und «brunnen gehn» hauptsächlich in ländlichen Gebieten durchzuführen. «Wir werden in den Ortschaften, durch die wir touren, neue Erfahrungen sammeln.» Denn das Publikum sei ein anderes als in urbanen Regionen. Ob sie denselben Ansturm wie in Basel erleben werden, davon lässt sich das Kollektiv Hotel Regina überraschen. «Doch genau das ist spannend», meint Streuli. Denn der Ort und die Menschen seien das Kunstwerk. Sie sollten das öffentliche Leben des jeweiligen Ortes authentisch darstellen und einen Treffpunkt für die Bevölkerung schaffen.
«Die Realisation der Tour benötigte viel und genaue Planung», sagt Qurin Streuli. Eine Herausforderung sei nur schon die Recherche nach tauglichen Brunnen gewesen, die eine gewisse Grösse hätten und auf einer vernünftigen Route liegen würden, um diese mit dem Fahrrad erreichen zu können. Zudem musste sich das Kollektiv ein Bild von den Brunnen machen und sicherstellen, dass es seine Aktion dort durchführen kann.
Badespass in Küsnachter Brunnen
Als einzige Ortschaft am Zürichsee wird Küsnacht während der «brunnen gehn»-Tour angefahren. Auf dem Areal der Kantonsschule Küsnacht heizt das Kollektiv Hotel Regina den grossen Brunnen, um ihn in ein Thermalbad zu verwandeln. «Es war extrem schwierig, am Zürichsee passende Brunnen zu finden.» Dieser sei der einzige gewesen. Im Zürcher Unterland hingegen gebe es unzählige Brunnen, weshalb viele Stationen der Tour in diesem Gebiet liegen.
Die Aktion am 18. März wird von der Kantonsschule Küsnacht unterstützt. «Bei allen Destinationen sind wir auf die Unterstützung lokaler Vereine, Schulen und Gemeinden angewiesen.» Finanziert ist das Projekt zwar bereits vom Kanton, den Zugang zur Gesellschaft ermöglichen jedoch lokale Partner. «Zwar kommen einige von uns aus dem Kanton Zürich. Jedoch kennen wir nicht in all diesen Ortschaften Leute.»
Beim «brunnen gehn» angekommen, werden die Teilnehmerinnen zuerst ein Ritual durchlaufen, das folgendermassen abläuft: Nachdem sie sich in der mobilen Garderobe umgezogen haben, folgt nach einem Fussbad eine kalte Dusche. Daraufhin können sie in den erwärmten Brunnen steigen und den Badespass im Winter geniessen.
18. März, ab 11 Uhr, Kantonsschule Küsnacht: www.brunnengehn.ch